Die Niederlausitz und ihre sächsisch-preußische Postgeschichte

Eine Studie über die Anfänge postalischer Tätigkeit in der
historischen Niederlausitz bis zur Gründung der Reichspost 1871

Beispiel für die Darstellung der einzelnen Postorte im Kapitel 12

Bearbeitungsstand: 01/2009

 

12.07.08  Der Postort P f ö r t e n

__________________________________________________________________________

 

Allgemeine Informationen zwischen 1815 und 1871 zum Ort

 

Auch die Stadt Pförten kommt im Mai 1815 zum Königreich Preußen, liegt aber nun nach der politischen Neuordnung im neu gebildeten „Kreis Sorau“, Regierungsbezirk Frankfurt/Oder und in der Provinz Brandenburg.

Längst ist es vorbei mit dem einstigen Glanz der Grafen von Brühl, obwohl später der drittgeborene Sohn des Heinrich Graf von Brühl, der Graf Hans Moritz Graf von Brühl, sich als „General-Chaussee-Intendant“ in preußischen Diensten einen Namen erwirbt.

 

 

Abb. Pfö 12/001: 1862 – Die wieder aufgebaute Schlossanlage in Pförten (Nach Dunker).(SK)

 

Dem preußischen Meilenanzeiger aus dem Jahre 1826 sind die Entfernungen zu den Nachbarorten zu entnehmen: Nach Cottbus 4¼ Meilen, nach Forste 1½ M., nach Guben 2¾ M., nach Muskau 4¼ M., nach Peitz 4¾ M., nach Sommerfeld 2 M., nach Sorau 4½ M. und nach Triebel 2½ M.

Der Hauptnahrungserwerb liegt auch in den folgenden Jahrzehnten in den verschiedenartigsten Manufakturen, in der Wollspinnerei und Tuchmacherei sowie weiterhin auch im Acker- und Gartenbau. Die Einwohnerentwicklung bewegt sich von 1818 mit 995 EW zu 1846 mit 1.350 EW und 1871 mit 1.450 EW.

 

 

Abb. Pfö 12/002: Das Stadtwappen von Pförten. (SK)

 

 

Abb. Pfö 12/003: 1845 – Ausschnitt für die Stadt Pförten aus dem preußischen Urmesstischblatt Nr. 4255

(Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz).(SK)

 

Postgeschichtliche Informationen zwischen 1815 und 1871 zum Ort

 

Mit dem Übergang zum Königreich Preußen erhält die Stadt Pförten ab 1.Oktober 1817 ein Postwärteramt mit Station, das dem Postamt Guben unterstellt ist. Auch als man sich ab 1.Juli 1825 Postexpedition nennt, bleibt es bei dieser, die neuen Kreisgrenzen ignorierenden, Zuordnung zu Guben. Im Zusammenhang mit der vollen Inbetriebnahme der Berlin-Breslauer Eisenbahn hält die Postexpedition Pförten ab 1.Mai 1848 nur noch Pferde für Extraposten bereit. Normale Personenposten werden nun von den benachbarten Postdienststellen in Guben oder Forst gefahren. Im Rahmen der Strukturreform der preußischen Postverwaltung hat Pförten dann ab 1.Januar 1850 eine Postexpedition II. Klasse und eine Posthalterei für die Bereitstellung von Pferd und Wagen. Jetzt untersteht die Postdienststelle der neu gebildeten Oberpostdirektion Frankfurt/Oder. Die Bezeichnung ändert sich dann zur Zeit des „Norddeutschen Postbezirkes“ ab 1.Januar 1868 abermals in Postexpedition II. Klasse mit Station für ordinäre Posten, Beichaisen und Extraposten.

Wo genau in der Stadt und zu welchem Zeitpunkt die Poststation untergebracht ist, konnte bisher nicht ermittelt werden. Zwischen 1815 und 1871 wurden nachfolgende Postangestellte in Pförten bekannt:

1815 bis 1852  Postmeister ist noch immer Johann Gottfried Pohle,

Postexpeditionsgehilfe ist Pfaff und J.G.Pohle ist auch Posthalter in Pförten.

1857                 Postexpedient ist jetzt Graumer.

 

Festgestellte Reihenfolge und registrierte Verwendungszeiträume der im Postort Pförten verwendeten Freimachungs- und Stempelformen bis 1871

___________________________________________________________________

 

1. Handschriftliche Freimachung

 

Als das Königreich Preußen ab 1.Januar 1817 für alle seine Postämter auch in der Niederlausitz Tages- oder Aufgabestempel einführt, werden ab 1.März alle untergeordneten Postwärterämter angewiesen, ihre in das Ausland abgehende Briefpost handschriftlich in roter Tinte mit dem Ortsnamen zu versehen. Bald aber bürgert sich ohne Vorschrift die handschriftliche Freimachung aller abgehenden Briefe mit dem Ortsnamen, z.T. mit Tag, Monat und Jahr, ein. Aber erst ab 1.Januar 1825 wird diese Verfahrensweise den Postwärtereien bis zum Erscheinen der ersten amtlichen Aufgabestempel vorgeschrieben. Somit können von allen Postwärterämtern im Zeitraum 1817 bis 1826 solche handschriftlichen Freimachungsvermerke aufgefunden werden. Für den Postort Pförten sind solche Briefbelege für den Zeitraum 07/1817 bis 01/ 1818 bekannt geworden.

 

 

Abb. Pfö 12/004: 1817 – Ein sehr früher Briefbeleg aus Pförten, der handschriftlich im Postwärteramt

freigemacht wurde und seinen Weg in das sächsische Ölsnitz über das auf dem Beförderungsweg nächstliegende

Postamt Spremberg nahm. Da der Brief in das Ausland ging, musste das Postamt seinen amtlichen Langstempel

L2 vorschriftsmäßig dazusetzen. (SK)

 

 

Abb. Pfö 12/005: 1818 – Ein weiterer Brief aus Pförten, der handschriftlich freigemacht wurde und der den

Postamtsbereich Guben, zu dem Pförten gehörte, nach Weißensee bei Berlin verließ. Deshalb musste das

Postamt Guben auch seinen amtlichen Langstempel L2 zusätzlich abschlagen. (SK)

 

2. Nichtamtlicher Postwärterstempel

 

Ab 1819 gestattet die preußische Postverwaltung zur Arbeitserleichterung den Postwärtern, sich auf eigene Kosten einen so genannten „Postwärterstempel“ zu beschaffen, dessen Gestaltung nicht vorgeschrieben wird. Somit können von allen Postwärterämtern im Zeitraum 1819 bis Ende 1824 Briefbelege mit solchen „Postwärterstempeln“ aufgefunden werden.

Für den Postort Pförten sind Briefbelege mit einem Frakturstempel in der Schreibweise des Ortsnamens Pfoerten für den Zeitraum 1820 bis 1824 bekannt geworden.

 

 

Abb. Pfö 12/006: 1820 – Dieser Brief wurde mit dem „Postwärterstempel“ im Postwärteramt Pförten

freigemacht. Das auf dem Beförderungsweg nächstliegende Postamt Guben musste seinen Aufgabestempel

vorschriftsmäßig dazusetzen, da der Brief den Postamtsbereich verließ.(SK)

 

 

Abb. Pfö 12/007: 1823 – Dieser Brief mit dem Pförtener „Postwärterstempel“ blieb innerhalb des

Postamtsbereiches (Guben). Es genügte jetzt der Stempel des Postwärteramtes. (SK)

 

3. Zweizeiliger Langstempel (kleine Form)

 

Schon mit der Verfügung der preußischen Postverwaltung vom 23.Dezember 1824 gibt man bekannt, dass ab 1.Januar beginnend nun auch alle Postwärterämter mit amtlichen Tages- oder Aufgabestempel ausgerüstet werden. Nach bisherigen Feststellungen sind in der Niederlausitz allerdings die ersten Poststempel erst für das Jahr 1826 bekannt geworden.

Merkmale des Stempels: Ortsname in 5 mm hohen Buchstaben, Tag und Monat in Ziffern, mit und ohne Trennstrich zwischen Tag und Monat vorkommend, noch ohne Jahreszahl und ohne Uhrzeit.

Registrierte Verwendungszeit für Pförten: 1828 bis 1842

 

 

Abb. Pfö 12/008: 1829 – Der erste amtliche Aufgabestempel L2 von Pförten. (SK)

 

 

Abb. Pfö 12/009: 1836 – Ein weiterer Brief aus Pförten mit dem Langstempel L2. (SK)

 

4. Zweikreisstempel K2 (kleine Form)

 

Anfang der vierziger Jahre scheint der Langstempel verschlissen zu sein, ein neuer Aufgabestempel kommt in der Postexpedition Pförten zum Einsatz.

Merkmale des Stempels: Zweikreisstempel mit einem äußeren Durchmesser von 24 mm. Das in der Mitte angeordnete Datum kommt mit und ohne Trennstrich (Bruchstrich) vor, noch ohne Jahreszahl und ohne Uhrzeit.

Registrierte Verwendungszeit: 1844 bis 1865

 

 

Abb. Pfö 12/010: 1859 – Mit dem Zweikreisstempel K2 (kleine Form) freigemachter Brief nach Guben. (SK)

 

 

5. Vierkreis-Nummernstempel

 

Als das Königreich Preußen zum 15.November 1850 seine ersten Freimarken herausgibt, erhalten zugleich alle Postdienststellen zur „Entwertung“ oder „Vernichtung“ der Briefmarken einen speziellen Vierkreisstempel, der für jeden Postort entsprechend seiner Stellung im Alphabet eine Nummer trägt. Der Postort Pförten bekommt die Nr. 1138. Die Verwendungszeit ist für 11/1850 bis 03/1959 vorgeschrieben.

 

 

Abb. Pfö 12/011: Der Pförtener Nummernstempel „1138“ auf den preußischen Freimarken Nr. 3 und Nr.4.

 

 

Abb. Pfö 12/012: 1852 – Mit den Freimarken Nr. 3 und Nr. 4 , dem Vierkreis-Nummernstempel „1138“

sowie dem Zweikreisstempel K2 als Eilbrief nach Forst in Pförten freigemacht. (SS)

 

 

Abb. Pfö 12/013: 1852 – Eine der neuen Ganzsachen U3B mit Federstrich und dem Zweikreisstempel K2 in

Pförten freigemacht. Dieser Adelsbrief ging nun mit der „Eisenbahn über Dresden und Lobotitz“in das

böhmische „Dlaschkowitz“ bei Trebnitz. (SS)

 

 

Abb. Pfö 12/014: 1858 – Vorschriftsmäßige Federstrichentwertung der Ganzsache U10B sowie der Freimarke

Nr.8 mit dem noch gültigen Nummernstempel „1138“. Insgesamt 6 Silbergroschen kostete dieser

Auslandsbrief nach Prag. (SS)

 

 

Abb. Pfö 12/015: 1857 – Vom Postmeister Graumer wurde dieser nebenstehende Einlieferungsschein in Pförten für einen Geldbrief nach Eulo bei Forst ausgestellt. (SK)

 

 

Abb. Pfö 12/016: Nachdem der Vierkreis-Nummernstempel „1138“ ab 04/1859 nicht mehr verwendet werden darf, findet sich nur der  immer noch in Benutzung befindliche Zweikreisstempel K2 auf den preußischen Freimarken oder Ganzsachen. (SK)

 

6. Einkreisstempel K1 (mit Jahreszahl)

 

Mit dem Eintritt der Postverwaltung des Königreiches Preußen in den „Norddeutschen Postbezirk“ werden in vielen Postdienststellen die alten preußischen Poststempel ausgetauscht. Jetzt, 1868, kommen bereits die modernen Einkreisstempel zum Einsatz. Merkmale des Stempels: Mit Jahreszahl und Uhrzeit, Letztere mit und ohne Zusatz „V“ für Vormittag und „N“ für Nachmittag vorkommend, auch mit und ohne Trennstrich zwischen Tag und Monat vorkommend.

Registrierte Verwendungszeit: 1868 bis die Reichspostzeit

 

 

Abb. Pfö 12/017: 1868 – Einer der ersten Briefe mit dem neuen Einkreisstempel aus Pförten. (SK)

 

 

Abb. Pfö 12/018: Um 1900 – Die Forster Straße in Pförten. (SK)


oben

__________________________________________________________________________

Copyright -Hans Kober - Calau - März 2008

­ Auf der Website enthaltene Inhalte dürfen ohne schriftliche Genehmigung weder im Ganzen noch in Teilen verwendet werden! ­