Die Niederlausitz und ihre sächsisch-preußische Postgeschichte

Eine Studie über die Anfänge postalischer Tätigkeit in der
historischen Niederlausitz bis zur Gründung der Reichspost 1871

Beispiel für die Darstellung der einzelnen Postorte im Kapitel 05

Bearbeitungsstand: 01/2009

 

05.03.03  Der Postort P f ö r t e n

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Allgemeine Informationen bis 1815 zum Ort

 

1454 wird der Ort Pförten erstmals als Städtchen erwähnt, ist bis in das 19.Jahrhundert eine der Mediatstädte im Markgraftum Niederlausitz, also stets den ansässigen Grundherren untertan. Zunächst wird Pförten nur im Zusammenhang mit der Herrschaft Forst unter den Grafen von Biberstein genannt, bis sich 1668 bis 1726 ein eigenständiger Herrschaftssitz unter den Grafen von Promnitz und danach bis 1740 unter den Grafen von Watzdorf herausbildet. Bis dahin besteht der Ort neben einer Schlossanlage nur als eine unregelmäßige Handwerker- und Bauernansiedlung. Sie ist von Gräben umzogen und hat nie eine Mauer- oder Wallanlage. Drei Tore hat ursprünglich die Stadt. Vom heute noch erhaltenen „Forster Tor“ führen die Straßen nach Forst, Triebel und Sorau, während man vom „Gubener Tor“ in Richtung Guben fährt und vom „Sommerfelder Tor“ die Richtung nach Sommerfeld nimmt. Die Stadt liegt im sächsischen „Gubenischen Kreis“.

 

 

Abb. Pfö 05.03/001: Um 1930 – Das noch erhaltene „Forster Tor“ in Pförten. (SK)

 

Alles wird hier im bisher unbedeutenden Ort anders, als 1740 der kursächsische Premierminister Heinrich Graf von Brühl nach Pförten kommt. Brühl ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der sächsischen Geschichte. Sein Name gilt als Synonym für Korruption, Leichtlebigkeit und Verschwendungssucht in Sachsen. Er stammt aus einer verarmten Weißenfelder Adelsfamilie, schafft es als Günstling zweier sächsischer Kurfürsten und Könige bis 1731, vom Silberpagen zum erst einunddreißigjährigen Geheimen Rat ernannt und mit diplomatischen Aufgaben betreut zu werden. Die Diplomatie ist auch künftig seine Stärke. Unter König und Kurfürst Friedrich August III. gewinnt Brühl enormen Einfluss und wird 1746 Sachsens Premierminister und „Vizekönig“ von Sachsen und Polen. Bald wird überall das „Staatssäckel“ als Quelle seines Reichtums angenommen!

 

 

Abb. Pfö 05.03/002: Um 1750 – Heinrich Graf von Brühl (Nach einem Gemälde von Louis de Silvestre).(SK)

 

Brühl kauft 1740 das Lehngut Pförten für 160.000 Taler, in den folgenden zwei Jahren zur Abrundung seines Besitzes noch vier angrenzende Güter und schließlich Anfang 1746 für 80.000 Taler auch die damals etwa 1.500 Einwohner zählende und dem Kurfürsten gehörende Stadt Forst.

Das Amt verlegt er sofort von Forst nach Pförten und der Sitz des Amtes gibt seiner Herrschaft den Namen. Die Ausdehnung der Ländereien ist gewaltig und Brühl behauptet, er benötige mit einer Kutsche von Grenze zu Grenze zwei Stunden. Allerdings liegen auch noch ausgedehnte kurfürstliche Waldungen als Jagdgebiet dazwischen. Immerhin gehören aber nun zur Herrschaft Pförten sechs Amts- und 22 adlige Dörfer und zur Herrschaft Forst die Stadt selbst und noch einmal 23 Dörfer. Die Herrschaft Forst- Pförten macht Heinrich Graf von Brühl zum größten Grundbesitzer Sachsens nach dem Kurfürsten!

Brühl baut auch in Pförten das etwa 70 Jahre alte Schloss um. Und wo er baut, entsteht immer ein prächtiges Schloss oder Palais im sächsischen Rokoko. Unter Anleitung des kursächsischen Oberlandbaumeisters Knöfel und unter Mitwirkung des Kammerherrn Carl Heinrich von Heinecken auf Altdöbern entsteht in den Jahren 1741 bis 1748 ein prunkvolles dreigeschossiges Schloss mit Seitenflügeln. 1748/50 kommen noch die Nebengebäude als Kavaliershäuser dazu. Als 1756 der preußische König Friedrich II. im Siebenjährigen Krieg Sachsen überfällt und besetzt, muss mit dem Kurfürst und König August III. auch Brühl nach Warschau fliehen. Acht Jahre nach seiner Fertigstellung lässt Friedrich II. inzwischen das Schloss Pförten seines Erzfeindes Brühl in einer besonderen Mission am 5.September 1758 niederbrennen. Es wird in der Folge nie mehr in seiner alten Pracht auferstehen.

 

Das Städtchen Pförten liegt für Brühl auf dem Wege von Dresden nach Warschau, einer Reiseroute, die schon von August dem Starken ausgewählt wurde und nun von Brühl natürlich vorrangig benutzt wird. Die sächsischen Höflinge folgen dem Beispiel des Ministers, und so wird Pförten  d i e  Zwischenstation für Polen-Reisende. Damit entsteht hier, natürlich auch zum Nutzen der Region, ein großer Bedarf an Lebensmitteln und gewerblichen Erzeugnissen, abgesehen von der allgemeinen Zunahme des Verkehrsstromes durch die Stadt in alle Richtungen. Überhaupt versucht Brühl hier in Pförten wie auch in Forst wirtschaftliche Einrichtungen zu etablieren, will besonders als Minister bei der Herausbildung von Manufakturen als Vorbild im Lande wirken. Er versucht sich zunächst in der Seidenproduktion über Maulbeerplantagen, wird aber als Tuchproduzent erfolgreicher. Unter Regie eines Meisters Ebig aus Torgau stellen zwei Manufakturen in Pförten und Forst, hier im leer stehenden Jahnschen Schloss, Tuche her. Tuchmacher gibt es ja hier in der Region zahlreich, sind sie doch im Zuge der Gegenreformation im 17.Jahrhundert einst aus Schlesien hierher gekommen.

So besteht die Hauptnahrung der Pförtner Bevölkerung in den Hofdiensten, im Gartenbau und in zahlreichen besonders der Adelsgesellschaft dienenden künstlerischen Manufakturen.

 

 

Abb. Pfö 05.03/003: 1757 - Ausschnitt für die Region Guben- Forst- Pförten- Sommerfeld aus einer sächsischen

Postkarte mit den Poststraßen des 18.Jahrhunderts. (Nach Pietrus Schenk- Amsterdam).(SK)

 

 

Postgeschichtliche Informationen bis 1815 zum Ort

 

Den Weg von Dresden nach Warschau, den der kursächsische Hof fährt, nimmt nun spätestens seit 1750, als nun die Schlossanlage in Pförten fertiggestellt ist, auch der schon seit 1709 zwischen den Unionsländern Sachsen und Polen aufrecht erhaltene kursächsische Postkurs. Inzwischen ist längst aus der ursprünglichen Reitpost eine Personen befördernde Fahrpost geworden, die bisher wöchentlich zweimal von Dresden über Hoyerswerda, Spremberg, Forst, Guben nach Crossen und Polen verkehrt. Nun sorgt schon Brühl dafür, dass dieser Postkurs zwischen Forst und Guben seinen Weg stets über Pförten nimmt. Und so, wie der Graf auf der Grundlage der herrschaftlichen Verfassung auf die Postmeisterstelle in Forst Einfluss nimmt (siehe Darstellung Forst), können wir auch mit Sicherheit davon ausgehen, dass er in seiner Residenz unter den Hofbediensteten einen „Postmeister“ auswählt, der seine umfangreiche Privat- und Staatskorrespondenz sowie die seiner Gäste an die durchfahrende Postkutsche zu übergeben hat bzw. auch die ankommende Post entgegennehmen muss. Erstmals finden wir dann 1766 im „Churfürstlich – sächsischen Hof- und Staatskalender“ den Namen eines Postmeisters für die Stadt Pförten.

 

Abb. Pfö 05.03/004: 1773 – Das Schloss Pförten vor seiner Zerstörung von der Gartenseite. Im Vordergrund ein

postsäulenartiger Obelisk mit einem Posthorn und der Jahreszahl 1773

(Kupferstich aus dem Eckard’schen Tagebuch).(SK)

 

Unter sächsischer Posthoheit sind bis 1815 nachfolgende Postangestellte für Pförten bekannt geworden:

 

1766 bis 1780                 Postmeister ist Johann Christian Fritzsche.

1782 bis 1801                 Postmeister ist jetzt Carl Heinrich Fritzsche.

1802 bis 1811                 Als Postmeister wird nun Christian Ferdinand Ulrici genannt.

1812 bis 1815                 Postmeister ist nun Johann Gottfried Pohle

 

Bisher konnten die Standorte der Poststation innerhalb des Ortes nicht ermittelt werden. Zunächst ist aber die Unterbringung zu Zeiten des Heinrich Graf von Brühl im Schlosskomplex, vielleicht innerhalb der Kavaliershäuser, denkbar.

 

 

Abb. Pfö 05.03/005: 1811 – Ein sächsischer Posteinlieferungsschein, mit dem der Postmeister Ulrici die

Annahme eines Paketes nach Lübbenau quittiert. (SK)

 

 

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